Mindestlohn

    Arbeitsgericht stoppt Tricksereien beim Mindestlohn

    Arbeitsgericht stoppt Tricksereien beim Mindestlohn

    Bielefeld

    Liebe Kolleginnen und Kollegen!
    Das hatten sich die beiden Geschäftsführer Klaus Schrotthofer und Mike Vette fein ausgedacht. Mit fragwürdigen Tricksereien durch die Hintertür aus einem Zusteller, der Zeitungen und Prospekte austrägt (= Mindestlohnanspruch 8,50 Euro) einen „reinen“ Zeitungszusteller (Mindestlohnanspruch 6,38 Euro) künstlich zu erzeugen.

    Stationen eines „legalen Betrugs“

    Im Dezember 2014 wurde uns allen durch Geschäftsführer Vette mitgeteilt, dass leider „künftig keine exklusiven Prospektverteilungen“ mehr anfallen würden.
    Über Nacht waren wir nur noch Zeitungszusteller mit einem Mindestlohnanspruch von 6,38 Euro.
    Aus „heiterem Himmel“, zum 1. Januar 2015, wurde uns dann der gleiche Prospekt mit der wunderbaren Zeitungs-Verpackung „Mein Samstag.“ zur Zustellung vor die Füße geworfen.
    Da wir aus der Sicht von NW-Logistik-Geschäftsführer Vette immer noch reine Zeitungszusteller waren, hielt er eine Bezahlung von 6,38 Euro Mindestlohn für völlig ausreichend.

    Malochen wie ein Pferd,
    bezahlt werden wie ein Pony!

    Ab sofort durften wir ca. 50 Prozent mehr an Gewicht für die Hälfte des bisherigen Lohnes am Samstag austragen. Spitzname für die neue Zeitung unter unseren Kollegen und Kolleginnen: „Mein Krampf.“
    Zur Krönung diktierte uns die Geschäftsführung nach Gutsherrenart dann auch noch extrem niedrige Soll-Arbeitszeiten, die weit entfernt von den tatsächlich benötigten Arbeitszeiten waren.
    Massive Proteste aus der Belegschaft führten dann dazu, dass auf Grund eines „Rechenfehlers“ diese Soll-Arbeitszeiten fast verdoppelt wurden. Sie reichten aber bei vielen immer noch nicht aus.
    Diesen Tricksereien hat nun das Bielefelder Arbeitsgericht am 19. Februar 2015 ein vorläufiges Ende bereitet. Alles durch die Initiative unseres Betriebsrates, der trotz vieler Störversuche des Arbeitgebers nicht locker lässt. 5,5 Cent pro Exemplar „Mein Samstag.“ muss die NW Logistik ab sofort, bis zur endgültigen Klärung vor der sog. Einigungszustelle, per Stücklohn zahlen. Für die meisten von euch bedeutet das eine Verdreifachung der Bezahlung im Vergleich zum Januar 2015!

    Das zeigt: Widerstand lohnt sich!

    Bei der Festlegung der Soll-Arbeitszeiten treibt der Arbeitgeber das gleiche Spiel.
    Am Betriebsrat vorbei hat unser Arbeitgeber einseitig (!) deutlich zu niedrige Soll-Arbeitszeiten festgelegt. „Großzügig“ hat er angeboten, individuell mit dem jeweiligen Vorgesetzten klären zu lassen, nicht ausreichende Arbeitszeiten nach oben zu korrigieren.
    Glaubt unser Arbeitgeber wirklich, so billig davonzukommen?
    Hofft er vielleicht, dass sich ein Großteil unserer KollegInnen gar nicht wehren wird und dieses miese Angebot einfach schluckt?
    Hofft er weiterhin, den Rest individuell mit schlechten Kompromissen billig abspeisen zu können?

    NW-Geschäftsführung
    hat die Rechnung
    ohne den Wirt gemacht!

    Viele KollegInnen verteilten Tausende ver.di-Leser-Flyer und klärten unsere Leserinnen und Leser über das unsoziale Vorgehen der NW-Geschäftsführung auf. Selbst der Versuch Schrotthofer’s, per einstweiliger Verfügung die weitere Verbreitung des ver.di-Leser-Flyers zu stoppen, scheiterte vor Gericht! Ein Armutszeugnis für eine Zeitung wie die NW, die sich sonst immer für’s „freie Wort und die Pressefreiheit“ stark macht! Dieser Konflikt findet, außer von Lobhudeleien auf den Mindestlohn im eigenen Unternehmen, in der NW nicht statt. Wie wär’s mal mit einem öffentlichen Streitgespräch zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat zum Thema der Umsetzung des Mindestlohns in der eigenen Zeitung? Bei der „tollen“ Umsetzung des Mindestlohnes dürfte Herr Schrotthofer davor eigentlich keine Angst haben?
    Andere Medien, wie z.B. der öffentlich-rechtliche WDR setzen da andere journalistische Maßstäbe. In einem eigenen Beitrag im WDR wurde am 18. Dezember 2014 kritisch, wahrheitsgetreu und ausgewogen über unseren Konflikt berichtet.
    Lasst uns zusammen den öffentlichen Druck auf die NW-Geschäftsführung verstärken, um sie zu Verhandlungen mit ver.di und unserem Betriebsrat zu bringen.

    Als Auftakt wird am 28. Februar (Samstag),
    in der Zeit von 12.00 bis 15.00 Uhr,
    vor der NW-Hauptgeschäftsstelle Niedernstraße
    eine öffentliche ver.di-Protestaktion stattfinden.

    Macht mit! Tragt mit vielen Kolleginnen und Kollegen unsere Forderungen in die Öffentlichkeit:
    Sofortige Aufnahme von Tarifverhandlungen über einen Tarifvertrag für alle vier NW-Zustell-Gesellschaften.

    Bilder gibts hier in der rechten Spalte
     
    8,50 Euro Mindestlohn und 25 Prozent Nachtzuschlag für alle KollegInnen der NW-Zeitungszustellung.
    Bestandsgarantie für alle Arbeitsverträge der NW Logistik. Niemandem darf es schlechter gehen!
    Wahl eines einheitlichen Betriebsrates für alle vier Zustell-Gesellschaften der NW-Verlagsgruppe.

    Werdet Mitglied der Gewerkschaft ver.di!
    "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Erich Kästner

    Euer Kollege
    Hans-Dietmar Hölscher

    Bilder der ver.di-Protestaktion in Bielefeld am 28.Februar 2015:

    ver.di-Aktion NW Bielefeld
    Foto/Grafik: ver.di
    ver.di-Aktion NW Bielefeld
    Foto/Grafik: ver.di
    ver.di-Aktion NW Bielefeld
    Foto/Grafik: ver.di
    ver.di-Aktion NW Bielefeld
    Foto/Grafik: ver.di